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Malwina Konopacka – AUGE auf die Welt

Wir treffen uns im Warschauer Stadtteil Prag. Eine kleine Galerie, kreativer Trubel, familiäre Atmosphäre. Wir sind neugierig auf diesen Mikrokosmos. Malwina brachte gerade neue Vasen. Einige von ihnen warten auf die Besichtigung in der Galerie. Sie zeichnen sich unter den dort gesammelten Objekten aus: große, farbenfrohe, überraschende und mehrdeutige Formen, Vasen – Skulpturen. Malwina prüft aufmerksam die Ergebnisse ihrer Arbeit. Unser Gespräch verläuft zwanglos, etwas an dem wichtigsten Dialog vorbei – dem Dialog zwischen Künstlerin und ihrer Arbeit.

Foto: Treffen mit Malwina Konopacka in Warschauer Pragaleria, Fot.: Małgorzata Podgórna
Foto: Malwina Konopacka in der Räumlichkeiten des B&B Hotels Autor Rooms in Warschau, Fot.: Aga Bilska/Autor Rooms

Kurzbiografie: Studium des Industriedesigns an der Warschauer Akademie der Bildenden Künste und Illustration an der Universität Berlin. Später eine Reihe von Ausstellungen, Projekten und Preisen in Polen und im Ausland, sowie zahlreiche Veröffentlichungen ihrer Zeichnungen in den polnischen Magazinen. Im Zentrum von Malwinas Interesse bleibt die Illustration, die auf verschiedene Medien, Formen und Objekte übertragen wird. Die Studien zur Form und das Verlangen nach Synthese führen sie zur Keramikkunst. Sie schafft ein neues Medium, eine eigene Vase – spindelförmig mit vielen runden Hohlräumen, die an die Augenform erinnern. Diese Form wird zu ihrer dreidimensionalen Leinwand, einem neuen Träger von Illustrationen und erscheint in mehreren Interpretationen.

In der ersten Vase OKO (poln. Auge) erkennt man die uns bekannte Tradition der polnischen Designs aus den 1950er und 1960er Jahren wieder. In der klassischen Version sind die Hohlräume der Vase mit einer Farbe, echtem Gold oder Platin verziert. Spätere Serien werden von geometrischen Mustern oder fantastischen Pflanzen und Tieren dominiert. Oft ist die Hauptfarbe das gemeinsame Erkennungszeichen aller Vasen. Die Titel der Kollektionen lauten GLD/Patina, KOBALT, Jungle und La Cite. 2018 Malwina erweitert ihre Vasenfamilie um die 80 cm großes Gefäß TERESA.

TERESA ist so präsent, dass man nicht indifferent an ihr vorbeigehen kann. Es ist eine Rückkehr in die vollen Kontraste der Kindheit der 80er Jahre. Die neuen, experimentellen Versionen der Vase besitzen geklebte, farbige geometrische Elemente und zählen bereits zu den größeren Objekten. In den Vasen ist eine Synthese von Farbe, Spiel und Begeisterung eines Kindes enthalten. Sie berühren eine sentimentale Saite, man findet hier etwas Vertrautes und Überraschendes gleichzeitig. Woher kommt das?

Foto: Malwina Konopacka, Fot.: Aga Bilska/AutorRooms
Foto: Die Vase OKO aus der Serie ROSE, Fot.: Pressematerial malwinakonopacka.com

Die ersten Zeichnungen und visuellen Erlebnisse beziehen sich auf das Familienhaus in Warschau, die dort lebenden Menschen und dazugehörigen Gegenstände. Malwina wuchs umgeben von schönen Objekten, Diskussionen und Kunst- und Handwerksinspiration auf. Mit einem solchen AUGE betrachtet sie heute die Welt. Die in ihr gespeicherten Bilder, blühen auf in ihren Vasen in einer reichen Farbenpalette auf.  Neben dem Industriedesign gab es auch in ihrem Leben das Studium der Kunstgeschichte. Sicherlich kommen daher auch die in ihren Arbeiten präsenten Inspirationen von Werken solcher Künstler wie Picasso, Legere, Malewicz, Rousseau, Matisse, Strzeminski, Stazewski, Tomaszewski und der Keramik der polnischen Manufaktur in Cmielow.

Die erste, limitierte TERESA-Serie wurde 2018 für den Charity-Ball im Nationalmuseum in Warschau erstellt. An dem Projekt waren bekannte polnische Künstler beteiligt, für die die von Malwina erfundene Form zu einem neutralen Modell wurde, das individuellen Transformationen unterworfen war.

Es wurden elf Kunstwerke geschaffen. Die Vase ist in eine Skulptur umgewandelt worden, dekonstruiert oder auf einer Leinwand präsentiert. Eine sehr poetischste Version ist von Malwinas Lieblingsprofessor – Wlodzimierz Pawlak – vorgestellt worden. Eine Vase mit dem Titel Malwina Konopacka, nach Włodzimierz Pawlak, ist deren gemeinsames Werk- außerhalb Weiß und innen die Malerei des Künstlers aus dem Zyklus Dzienniki (poln.  Die Tagesbücher). Das Objekt drückt aus, was für die beiden wichtig ist – Synthese und Vermeidung von Formlosigkeit.

Foto: Vasen TERESA von Malwina Konopacka, Fot.: Pressematerial malwinakonopacka.com
Foto: Treffen mit Malwina Konopacka in Warschauer Pragaleria, Fot.: Małgorzata Podgórna

Ende 2018 verließen drei neue Projekte die Malwina-Studios: der Tortenständer ANIELA, die Vase NANA und zum ersten Mal die Vase KRYSTAL – das Ergebnis einer Zusammenarbeit mit der französischen Duo Slavia Kolektiv und der traditionellen tschechischen Glasfabrik Blažek. Die Serie wurde auf dem internationalen Designblok Festival in Prag gefeiert. 2019 erschienen die rosa glasierte Vasen ROSE in einem unverwechselbaren Stil von Malwina Konopacka.

Ich frage Malwina, wie sie sich ihr Medium in Zukunft vorstellt, ob sie auch neue Bereiche ihrer kreativen Arbeit plant. Sie lächelt und antwortet, dass sie manchmal daran denkt, zurück zur klassischen Malerei zu gehen. Aber derzeit bleiben die Vasen im Zentrum des Interesses – die einzigartige 3D-Malerei.

 

J.K.H.

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