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Grynasz Studio – Harmonie und Rythmus

Das Warschauer Grynasz Studio ist eines der interessantesten polnischen Design-Ateliers, dessen multidisziplinärer Charakter künstlerische Prozessfreiheit und Flexibilität in der Realisierung unterschiedlicher Aufträge ermöglicht.

Die Arbeiten aus dem Bereich Produktdesign schmücken die Kataloge zahlreicher Firmen wie Marbet Style, Meesh, Fam Fara oder NAP. Sie haben auf ihrem Konto zahlreiche Ausstellungen für die wichtigen Instutionen: Polnisches Außenministerium, Nationales Kulturzentrum, Nationales Audiovisuelles Institut, Polnische Humanitärhilfe, Polnisches Patentamt und eine mehrjährige Zusamenarbeit mit dem Polnischen Insitut des Industriedesigns.

Das Studio bilden Marta Niemywska-Grynasz (Designerin), Dawid Grynasz (Architekt, Designer) und Małgorzata Ćwiek (Grafikerin).

Foto: Der Sessel Muno mit Hocker (Marbet Style); Fot.: Werbungsmaterial der Firma
Foto: Ein Becher (Meesh); Fot.: Katarzyna Kural-Sadowska

Marta war eine der ersten Personen aus der Branche, der ich vor zwei Jahren das Projekt BeSein vorgestellt habe. Für das Gespräch hatten wir uns am Sitz des Studios verabredet. Diese Räume, wie die Gastgeber mir erklärt haben, waren früher Wohnungen für die Designer, die mit dem in der Nahbarschaft liegenden Polnischen Institut des Industriedesigns zusammengearbeitet haben. Der Ort, fördert, wie sie sagen, ihre Arbeit, vielleicht dank des hier schwebenden kreativen Geistes.

Der Einladung folgend, laufe ich an den einzelnen Räumen, gefüllt mit den von den entworfenen Gegeständen, vorbei, um dann schließlich an einem Tisch zu sitzen, auf dem sofort wird ein Tee in selbst entworfenen Porzellan serviert wird. Das Porzellan ist sehr ergonomisch und originell…

Wir beginnen das Gespräch mit Erinnerungen und Eindrücken von der kürzlich beendeten Mailänder Design Week an, wo wir uns leider trotz der Absicht, uns zu treffen, nicht getroffen haben. Zu dem Teil des Gespräches komme ich aber später.

 

Wenn ich nach den Anfängen des Studios Grynasz frage, antworten die beiden Designer lächelnd, dass die Geschichte schon im Kunstgymnasium in Suprasl anfing, wo sie sich kennenlernten und wo der gemeinsame Weg began. Heute teilen sie das private und berufliche Leben miteinander. Nach Jahren der Arbeit als Freelancer, haben sie entschieden, sich zusammenzuschliessen und gründeten 2010 das Design Studio. Marta, Absolventin des Industriedesigns an der Warschauer Kunsthochschule und Dawid, in dem Architektur Institut des Technischen Universität in Bialystok ausgebildet, ergänzen sich und teilen ihr Wissen und ihre Erfahrungen. Wie sie selbst sagen, ist die gemeinsame Arbeit ein Vergnügen, sie unterstützen und motivieren sich gegenseitig.

Foto: Die Kollektion Corbu (Marbet Style)
Foto: Die Umsetzung eines Ausstellungskonzeptes "Dobry wzór" für IWP (Institut des Industriedesigns); Fot.: Maciej Jędrzejewski

Der multidisziplinäre Charakter des Studios bringt zweifellos eine große Kreativität des Teams hervor, die, wie sie betonen, einen ständigen Impuls zu der weiteren Entwicklung gibt. Als Vorbilder dienen hier die Ateliers der Brüder Bouroullec oder Torafu Architects.

Die Arbeit an so vielen unterschiedlichen Themen bereitet uns viel Vergnügen. Dadurch können wir die Frische behalten und jede neue Herausforderung überprüft oft unsere Einstellung zu dem Design-Prozess – sagt Marta. Diese Fruchtfolge ist gut für uns, wir bemühen uns mit den Kunden so zu sprechen, dass das Charakter der folgenden Aufträge sich verändert – ergänzt Dawid.

Im Bereich des Industriedesigns lehnen sie sich an die skandinavische und japanische Ästhetik an, aber auch an organisches Design, unter Verwendung natürlicher Materialien, wie Holz, Stein, Wolle, Leinen, unter Beibehaltung des natürlichen Charakters.

 

Ein formaler Minimalismus der Projekte, fokussiert auf Details, ist dem Grynasz Studio wichtig. Man kann ihn am Beispiel der Produkte für die Marke Meesh zeigen, die die Designer von Beginn an begleiten und für die sie die erste Kollektion entworfen haben. Die Inspiration schöpfen sie aus der kritischen Beobachtung der Trends und Neuheiten, aber auch aus privaten Reisen. Als Beispiel kann hier Hocker Slow (Meesh) dienen. Die Idee entstand nach der Rückkehr aus Portugal, wo die Designer auf den Prozess der Kork-Bearbeitung aufmerksam wurden. Sie nutzten das Potenzial dieses Materials und waren auch bei der Einführung und Aussarbeitung der Produktiontechnik dabei.

Foto: Der Hocker Slow (Meesh) mit Behälterfunktion; Fot.: Katarzyna Kural-Sadowska
Foto: Teil des Modulsystems Ład (Fam Fara); Fot.: Maciej Jędrzejewski

Die Zusammenarbeit mit der Firma Fam Fara, die mit dem Branding für die Marke anfing, ergab das Projekt des Modulsystems Lad,deren Vorpremiere während der Tokyo Design Week 2016 stattfand. Die polnische Premiere gab es 2017 während der Messe Arena Design in Poznan. Das System entstand als Antwort auf das individuelle Bedürfniss der Kunden, einen eigenen Raum mit Hilfe flexibler, kompatibler Elemente zu schaffen. Es wurde in der Ausstellung in Mailänder Museo dei Bambini, im Rahmen der letzten Design Week vorgestellt, zu der die Firma Fam Fara eingeladen wurde.

Die effiziente Kommunikation und Entwurfsdisziplin bauen oft langjährige Beziehungen auf. Als Beispiel kann die Ausstellung der Finalisten des Wettbewerbs Dobry Wzor (Ein guter Muster) im Polnischen Intitut des Industriedesigns (IWP) dienen, die seit sechs Jahren vom Grynasz Studio entworfen wird. Gefragt nach der Besonderheit der Ausstellung – das immer wiederkehrende Thema in einer bestimmten Konvention ist doch eine Herausforderung – antworten sie, dass solche Beschränkungen sehr stimulierend sind.

Die guten Erfahrungen im Ausstellungswesen ergaben den Auftrag, einen polnischen Pavillon für die Expo in Mailand 2015 zu entwerfen. Die Ausstellung des Polnischen des Industriedesigns Stół Polski. La Tavola Polacca (der wir ein getrenntes Artikel gewidmet haben – Link), war auch außerhalb der Branche ein großer Erfolg und hatte ein verstärktes Kundeninteresse zur Folge. Das junge Studio kann dadurch ein sehr facettenreiches Portfolio vorweisen.

Mit Fragen nach Inspirationen und Quellen der künstlerischen Impulse, kehrten wir im Gespräch nach Mailand zurück. Solche Erfahrungen, wie sie betonen, spiegeln die eigene Situation, helfen neue Richtungen zu erkennen, sind ein Moment der Selbstreflexion und gleichzeitig ein Markt-Wegweiser. Das ist eine Energiequelle, die direkt auf den Designprozess ausstrahlt.

Foto: Die Ausstellung Stół Polski.La Tavola Polacca. Fot.: Katarzyna Kural-Sadowska
Foto: Marta Grynasz während der Ausstellung Elements w  im Rahmen der Tokyo Design Week

In der Welt, wo „Alles hat man schon entworfen” – wie sie sagen – ist die Arbeit der Designer eine große Herausforderung. Die ständig wechselnden Lebensbedingungen, der Charakter der beruflichen Aktivität oder die Größe unserer Wohnräume, provozieren die Neudefinition der Gegenstände und führen dazu, dass wir immer weiter entwerfen…

M.P.

 

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