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Foto: Ein Kleid aus der Kollektion Frühling/Sommer 2014, Fot.: Łukasz Pukowiec

Duet BIZUU – Volant und Rosa

In den letzten 10 Jahren ist das Industriedesign  aufgewertet worden und gelangte in die Museen und Galerien. Ähnlich das Modedesign. Heute bewundern wir es nicht nur auf den Straßen und Modeshows, sondern auch in den Sammlungen der größten Kunstinstitutionen.

Vor ein paar Jahren bin ich am Schaufenster einer Boutique vorbeigelaufen und meine Aufmerksamkeit wurde von  den  außergewöhnlichen Stoffen dort hängender Kleider angezogen. Sie sahen so untypisch aus und ich habe mich eingeladen gefühlt, sie näher zu betrachten. Mit großer Begeisterung habe ich die festen, mit bunten Blumen bedruckten  Stoffe angefasst und musste damals an die Stoffe aus der Möbelbranche denken. Das war meine erste Begegnung mit der Marke BIZUU, es war Liebe auf den ersten Blick, obwohl es  gar nicht so offensichtlich war – seitdem hat sich mein monochromatischer Kleidungsstil deutlich verändert.

BIZUU entstand im Jahr 2010  aus der Leidenschaft der  Schwestern – Blanka Jordan und  Zuzanna Wachowiak. Heute hat die Firma hat eine sichere Position auf dem polnischen Modemarkt, wertgeschätzt für Stil und Qualität durch Frauen, die auf der Suche nach charmanter und charaktervoller Kleidung sind.  Bei der Entstehung der neuen Kampagnen, Boutiquen und Modeshows, arbeitet BIZUU mit den besten Fotografen, Architekten und Bühnenbildnern zusammen. Die Modemarke hat einen stets wachsenden Fanclub und ihre Werbekampagnen werden von vielen prominenten Gesichtern begleitet.

Małgorzata: Ich habe Sie zum Gespräch eingeladen, da ich unseren Lesern den besonderen, kreativen Designprozess in der Modebranche näher bringen wollte. Meine Liebe für  BIZUU begann mit  Stoffen, die mich mit ihrer Originalität völlig begeistert haben. Ist die Wahl der Stoffe der Ausgangspunkt jeder Kollektion?

Zuzanna: Der erste Schritt ist die Reise nach Paris für die Messe Premiere Vision, wo sich die ganze Modebranche trifft. Es ist ein Ort, wo sich die größten Stofffabrikanten präsentieren, dort lernen wir die Trends für die nächste Saison kennen. Wir bringen viele Inspirationen und Stoffproben mit und es ist immer der Ausganspunkt unserer Arbeit. Leider können wir oft nicht mit der schnellen Produktion der großen Unternehmen mithalten, die in der Lage, sind die neuen Trends schon nach 6 Monaten auf den Markt zu bringen. Damit sind auch noch andere Probleme verbunden. Als Beispiel kann ich folgende Erfahrung nennen: wir haben einen Stoff bestellt und daraus ist eine Kollektion entstanden. Einen Tag vor der Premiere der  Modeshow  hatte die Firma Mango denselben Druck gezeigt. In der Situation mussten wir die Kollektion zurückziehen und die Kleider gelangten nicht in den Verkauf. Das war der  Moment, an dem wir entschieden haben, dass wir  uns auf die Entwicklung eigener Muster konzentrieren müssen, um der Konkurrent immer einen Schritt voraus  zu sein und die Nachahmung zu vermeiden.

Foto: Jacquards sind eines der Markenzeichen der Modemarke Bizuu. Designerinnen haben das Material in den Kleiderserien verwendet, Fot.: Pola Gałczyńska
Foto: Eine der Inspirationen der Designerinnen ist das Reisen. Die Erinnerung an Südamerika ist in den Motiven und Farben ihrer Kollektion festgehalten worden, Fot.: Łukasz Pukowiec

Małgorzata: Ein spannender Teil eurer Kollektionen sind die sehr reichen Stoffe mit den folkloristischen Mustern – wo kommen sie her?

Blanka: Es sind exklusive Stoffe, mit sehr hoher Qualität, bestellt in Italien oder in Paris bei den Herstellern, die für solche Marken wie Chanel oder Valentiono produzieren. Jedes Jahr führen wir ein Element ein,  einen roten Faden, der eine Basis bildet, auf der wir die ganze Kollektion aufbauen, meistens sind das die Farben.

Małgorzata: Wie designt man ein Kleid für so einen anspruchsvollen Stoff? Ich kann mir vorstellen, dass es keine einfache Aufgabe ist?

Blanka: Wenn wir ein Stoff wirklich mögen, dann passen wir uns an dessen Möglichkeiten an. Wir nehmen die Einschränkungen des Materials wahr und wählen einen Schnitt, der sich am besten in der Konstellation präsentieren wird, z.B. reduzieren wir die Faltung und die Form und dadurch exponieren wir das Muster.

Małgorzata:  Ist das so, dass sich über die Jahre ein Schema für die Arbeit an der Kollektion entwickelt?

Zuzanna: Der Ablauf des Designprozesses ist in unserem Fall dynamisch. Das Team wächst, wir entdecken neue Möglichkeiten und Technologien, was einen großen Einfluss auf den Prozess nimmt. Seit wir eigene Muster entwerfen,  müssen erst die Stoffe entstehen – dann Farben und Mustervorlagen.

Małgorzata: In derselben Zeit entstehen auch die Schnitte? Wie wird diese Arbeit verteilt?

Blanka: Richtig. Erstmal entsteht eine Zeichnung, die später nach Möglichkeiten ihrer Umsetzung geprüft und optimiert wird. In der Entstehungszeit des Prototypen verändert sich noch einiges. Wir analysieren, wie der Stoff sich  einem Schnitt anpasst, wie es im Detail aussieht. Während der Anproben bewerten wir die Proportionen und verbessern den Entwurf.

Małgorzata: Näht ihr die Prototypen gleich aus den dafür vorgesehenen Stoffen?

Blanka: Nein, die Stoffe sind dafür meistens zu teuer. Wenn wir eigene Stoffe nutzen, ist der Produktionsprozess  lang und dauert etwa acht Wochen, die Stoffe werden in  italienischen Fabriken produziert.  Während wir die letzte Kollektion vorbereitet haben, brauchten wir die Stoffe viel früher, um gleich an den Schnitten arbeiten zu können. Wir verwenden dann  möglichst ähnliche Stoffe, die für uns in Polen produziert werden. Es ist schon vorgekommen, dass wir einen Stoff gewechselt haben, weil das Ergebnis  nicht so war, wie wir es erwartet haben. Mit zunehmender Erfahrung vermeiden wir solche Fehler.

Foto: In der Schneiderei sprechen wir mit Blanka Jordan über den krativen Prozess des Schneidens, Fot: Pola Gałczyńska
Foto: Das Modedesign ist eine Beschäftigung, die sehr viel Erfahrung verlangt, davon erzählt uns mit großem Engagement Beata Jaśkowiak, fot.: Pola Gałczyńska

Małgorzata: Wie entsteht eine Kollektion?

Zuzanna: Das Konzept einer Kollektion umfasst mehrere Aspekte, einer davon ist der Markt. Wir sind keine Firma mehr, die für ein kleines Publikum produziert. Zurzeit haben wir acht Boutiquen, wir bereiten eine weitere vor, d.h. wir müssen sehr stark die Bedürfnisse des Marktes berücksichtigen. Manchmal entstehen unsere erträumten, ambitionierten Entwürfe  nur als Einzelstücke, weil am Ende der Käufer entscheidet. Immer vertrauen wir unserer Intuition, die uns selten täuscht, trotzdem müssen wir den  Erwartungen gerecht werden.

Blanka: Wir bemühen uns um die Vielfalt. Wenn wir uns entscheiden, uns  Kollektion mit der Midi-Länge zu entwerfen, müssen wir auch an die Kundinnen denken, die kurze Kleider bevorzugen, dass sie sich auch für solche  entscheiden können. Manchmal kann man die Kleider in zwei verschiedenen Ausführungen nähen. Somit passen wir uns an die Erwartungen des Marktes an.

Małgorzata: Ihr habt schon ein festes Repertoire der Schnitte. Eure Marke zeichnet die  Farbe Rosa aus.

Blanka: Rosa ist tief mit uns verbunden. Sie  begleitet uns immer, neben der schwarzen und weißen Farbe. Bei der Stoffwahl entscheiden wir uns immer für diejenigen, in denen Rosa überwiegt.

Zuzanna: Wir wissen auch, dass es sich gut verkauft. Rosa steht vielen unterschiedlichen Frauentypen und es lässt sich mit vielen anderen Farben zusammenstellen. Wir promoten gern neue Farbkonstellationen mit Rosa. In der letzten Kollektion haben wir Rosa mit Rot zusammengestellt, was vor kurzem noch als  faux pas galt. Blanka ist von den charakteristischen, floralen Mustern aus dem alten Rosenthal- Porzellan inspiriert worden. Die Inspiration haben wir in eine Musterserie umgewandelt, die Vorlage für die ganze Kollektion war.

Foto: Im Atelier Bizuu, Fot.: Pola Gałczyńska
Foto: Zuzanna Wachowiak im Wohnzimmer einer von sich entworfenen Wohnung, Fot.: Piotr Stokłosa, www.viva.pl

Małgorzata: Rosa hat auch den Design-Markt und die Innenräume rasant erobert. Dieser Trend erhielt sogar einen Namen millennial pink. Sie haben eine Erfahrung auch in dem Bereich, oder?

Zuzanna: Ja, nach dem Studium habe ich zwei Jahre eine eigene Firma geführt. Unsere erste Boutique war mein Entwurf, später sind einige Elemente aus dem Innenraum – charakteristische Details und Ornamente –  in unserem Warschauer Geschäft verwendet worden. Sowohl meine Berufserfahrung, als auch Blankas juristische Kenntnisse, haben uns sehr bei der Organisation der Firma geholfen. Heute gibt es immer weniger Zeit dafür und die Innenarchitektur der Verkaufsräume ist spezifisch und verlangt Erfahrung. Deshalb arbeiten wir mit dem Büro Ego Studio zusammen, das sich in dem Bereich spezialisiert hat.

Małgorzata: Ihr habt auch mit dem Büro Modelina zusammengearbeitet, das hat die Innenräume eurer Boutique für die Afternoon Kollektion Apres-Midi in der Gallerie Posnania entworfen. Wie sah es aus?

Blanka: Die Jungs von Modelina hatten Sorgen, weil sie Zuzannas Ausbildung kannten. Ein Kunde, der selber ein Innenarchitekt ist hat seine eigene Vorstellung, das macht die Zusammenarbeit nicht einfach. Um ihnen diese Aufgabe zu erleichtern, haben wir moodboards mit eigenen Ideen für die Farben und Atmosphäre des Raumes vorbereitet.

Zuzanna: Obwohl wir genau wussten, in welche Richtung wir gehen wollen, war das Projekt dieses Mal etwas schwieriger, weil die Galerie selbst  noch im Bau war und wir nur eine Vorstellung hatten, ohne Bezug zu der Umgebung.

Małgorzata: Ich muss zugeben, dass mich die in dem Raum verwendeten Materialien überrascht haben. Perforierte Bleche und Metalle sind weit entfernt von euren subtilen Kleidern. Trotzdem ist das Ergebnis originell und ich fühle mich dort gut. Ich hätte nie gedacht, dass das Lochblech so gut in Rosa aussieht!

Zuzanna: Unsere Kollektionen haben einen außergewöhnlichen Charakter, es sind lockere Wochenend- Kleider, daher wollten wir auch etwas Leichtes und Neues schaffen.

Foto: Boutique Bizuu Apres-Midi in der Galerie Posnania, www.modelina-architekci.com
Foto: Einer der Cafe-Innenräume von India Mahdavi, Fot.: www.india-mahdavi.com

Małgorzata: Wie nehmt ihr Design außerhalb der Modebranche wahr?

Zuzanna: Es ist für uns eine Quelle der Inspiration, wir mögen schöne Objekte und Innenräume, es ist uns wichtig, schön zu wohnen und ich glaube, dass die ästhetische Einstellung  sich darauf überträgt, in welcher Umgebung wir unsere Entwürfe gern sehen würden. Wir leben in der Zeit der sozialen Medien, in der das Visuelle ganz wichtig ist und der Kontext auch wichtiger geworden ist.

Małgorzata: Erzählt bitte von euren Lieblingsstilen und -formen.

Blanka: Meine Favoritin ist India Mahdavi. Ich bin in ihre Entwürfe und Innenräume verliebt.

Zuzanna: Sie kreierte einen populären Trend– Rosa, weiche Stoffe, Verbindung von Grün und Gold.

Blanka: Als ich vor  einigen Jahren  ihre Zusammenstellung von Rosa mit dunklem Grün gesehen habe, war ich überrascht, dass es gefallen kann.

Małgorzata: Vor kurzem ist diese Farbenzusammenstellung  auf einem Kleid mit dem Monstera Muster verwendet worden, das ich übrigens sehr mag. Beobachtet ihr, wie sich die Design- und Fashiontrends gegenseitig beeinflussen?

Blanka: Diese Branchen sind unzertrennlich und es ist schwer, die Einflüsse auseinander zu halten.

Zuzanna: Es wirkt in beide Richtungen. Ich habe die Rolle der Umgebung erwähnt, die heutzutage ein wichtiger Marketingfaktor ist, bei der großen Konkurrenz ist es bedeutsam, dass unsere Entwürfe in einer Umgebung präsentiert sind, mit der wir uns identifizieren. Während wir unsere Fotoshootings für die Kollektion Apres-Midi vorbereitet haben, fingen wir an, weltweit zu reisen – Australien, New York, zuletzt Paris – auf der Suche nach Orten, die unsere Entwürfe am besten zeigen.

Foto: Ein Kleid mit dem Monstera Muster aus der Kollektion Frühling/Sommer 2017, www.bizuu.pl
Foto: Tisch aus der Kollektion G-Tables, Entwurf Oskar Zięta, www.zieta.pl

Małgorzata: Beobachtet ihr das polnische Design?

Blanka: Ich bewundere Oskar Zięta. Die Form seines Tisches hat mich beeindruckt, ich sehe in dem Objekt Kunst und Innovation, mit viel Neugier schaue ich mir seine Arbeit an.

Małgorzata: Seine Entwürfe stehen an der Grenze zwischen Designobjekt und Skulptur, obwohl Oskar selbst von der  Beobachtung ablenkt und betont, dass er funktionale Möbel entwirft. In einem Gespräch sagte er mir, dass der Tisch, von dem wir sprechen,  bei einem Kunden von ihm neben der  Skulptur von Giacometti steht.

Zuzanna: Es bestätigt nur, dass seine Objekte  als sehr dekorativ angesehen werden. Einer meiner Dozenten war Tomek Rygalik, immer noch beobachte ich seine Kariere. Ich folge dem Łódź Design Festival und dem Wettbewerb Dobry Wzór. Ich kenne auch die Entwürfe von Mikołaj Wierszyłowski. Ich habe in seinem Büro gearbeitet, wir haben einen guten Kontakt, er kommt immer zu unseren Modeshows.

Małgorzata: Wie bewertet ihr das polnische Design im internationalen Kontext?

Zuzanna: Wir haben eine Menge talentierter Menschen, und obwohl sie eingeschränkte Bildungsmöglichkeiten haben, zeigen ihre Entwürfe  ein hohes Niveau. Auf Grund meiner Erfahrungen an der Berliner Design Hochschule kann ich sagen, wo man die neuesten Technologien nutzen und wo man am Beispiel des Produktionsprozesses lernen kann.  Ich meine, dass die Verbindung beider Modelle – hohes Niveau der polnischen Universitäten mit  westlicher Bildung, basierend auf der praktischen Erfahrung, wäre die perfekte Schule. Die Situation verbessert sich. Zum Beispiel entwickelt sich die Posener Kunst -Universität wunderbar. Die School of Form bildet ihre  Studenten mit  modernen Methoden aus. In unserem Team haben wir  Absolventen beider Hochschulen.

Foto: Moodbord ist ein Werkzeug in der konzeptionellen Phase, charakteristisch für die Designer-Branche, Fot.: Pola Gałczyńska
Foto: Ein Kleid aus dem von Bizuu selbst entworfenen Stoff mit dem Palmblatt-Muster aus der Kollektion Herbst/Winter 2017, in Malgosias Lieblingsfarben, Fot.: Pola Gałczyńska

Małgorzata: In Polen wächst das Design- Bewusstsein, man schätzt Qualität und Originalität der Entwürfe, was bestimmt auch einen positiven Einfluss auf  eure Branche hat.

Blanka: Mit Hoffnung schaue ich den polnischen Kunden an. Ich beobachte, wie sich der Geschmack in Bezug auf  Innenarchitektur und Mode ausbildet. Ich bewundere die stillvollen Franzosen, die Minimalismus mit etwas Verrücktheit verbinden, was ein tolles Ergebnis verschafft.  Während wir  die Kleider entwerfen, stellen wir uns vor, wie sie getragen werden, wir versuchen, unsere Kundinnen zu inspirieren.

Małgorzata: Der Erfolg eurer Marke beweist, dass ihr einen großen Einfluss auf den Geschmack der Polinnen habt. Habt ihr, vor auch die internationale Märkte zu erobern?

Blanka: Es ist unser Traum, wir realisieren ihn und haben Hoffnung auf Erfolg.

Małgorzata: Ich wünsche  es euch von Herzen und bedanke mich für das Gespräch.

 

M.P.

 

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